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Schlafapnoe - Häufigkeit, Symptome, Folgen und Therapiemöglichkeiten
Die Schlafapnoe ist ein altes Leiden. Aus Erzählungen weiß man aufgrund der dort geschilderten Auffälligkeiten und Verhaltensweisen einiger Figuren, dass es sich um Symptome der Schlafapnoe gehandelt haben muss. Mitte der 70er Jahre begann man in Marburg und fast gleichzeitig auch in Würzburg mit der Erforschung des Problems Schlafapnoe. Einige Erfahrungen und Berichte aus Australien lagen zu dieser Zeit bereits vor. Bei der zentralen Schlafapnoe vergisst das Gehirn, Befehle zum Atmen bereitzustellen. Es wird zwischen unterschiedlichen Arten von Schlafapnoe unterschieden: 1. Obstruktive Schlafapnoe 2. Zentrale Schlafapnoe 3. Gemischte Schlafapnoe} Am häufigsten kommt die obstruktive bzw. die gemischte Schlafapnoe vor. Die nachfolgenden Erläuterungen betreffen vorwiegend die obstruktive Schlafapnoe. Häufigkeit: Rund drei Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Ärzte schätzen, dass etwa drei Millionen Menschen in Deutschland noch nicht therapiert sind bzw. noch nicht wissen, dass sie an Schlafapnoe leiden. Männer sind weit häufiger betroffen als Frauen. Mindestens jeder zehnte Mann im Alter zwischen 30 und 60 Jahren könnte betroffen sein. Über die Häufigkeit bei Kindern sind keine Zahlen bekannt. Sehr viele Menschen werden wegen aus der Schlafapnoe resultierender Folgeerkrankung bzw. Symptomen behandelt, ohne dass das eigentliche Problem erkannt wird. Wir stellen aber zunehmend fest, dass die bis vor nicht allzu langer Zeit unter der Ärzteschaft belächelte "Marburger Krankheit" zunehmend bekannter und effizient therapiert wird. Wenn in der Selbsthilfegruppe (SHG ) Erfahrungen ausgetauscht werden, hört man fast immer abenteuerliche Berichte über alle möglichen Diagnosen und Therapien. Es dauert oft lange, bis die richtige und erlösende Diagnose "Schlafapnoe" vorliegt. Es bedarf noch einiger Forschungsarbeit, bis die Ursachen der Schlafapnoe bekannt sind. Wenn einige Betroffene in den SHGs über ihre Erinnerungen aus ihrer Kinder- und Jugendzeit berichten, muss man annehmen, dass sich etliche Lernprobleme und Verhaltensweisen bei Kindern auf die Schlafapnoe zurückführen lassen dürften. Viele Betroffene meinen, die Anlage zu ihrer Schlafapnoe ererbt zu haben, weil Eltern oder Großeltern unter der gleichen Symptomatik gelitten haben wie sie selbst und meistens früh verstorben sind. Was passiert bei der Schlafapnoe? Schlafapnoiker sind zu fast 100 Prozent Schnarcher. Während des Schlafs entspannt sich beim Menschen, wie bei fast allen Lebewesen, die gesamte Muskulatur. Bei Menschen mit obstruktiver Apnoe führt dies zu einer zu starken Erschlaffung der Gaumen- und Rachenmuskulatur während des Schlafs. Das heißt, die Atemwege fallen zu, der Betroffene bekommt keine Luft mehr. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt rapide ab. Alle Organe leiden unter der Unterversorgung, insbesondere das Gehirn. Dieses reagiert und setzt Notfallhormone im Blut ab, die den Schläfer so weit aus seinem Schlaf zurückholen bis die Muskelspannung das Atmen wieder zulässt. Der Schläfer bemerkt davon in der Regel nichts und ist am Morgen seiner Meinung nach gut ausgeschlafen. Und das, obwohl sein Schlaf dauernd unterbrochen wurde, während der Nacht nicht selten bis über 400 mal. Die dabei ins Blut abgegebenen Botenstoffe gehören zu der Familie der Stresshormone. Es wird dadurch ein regelrechtes nächtliches Kreislauf-Jojo inszeniert. Es übertrifft die Belastung am Tage noch bei weitem. Hinzu kommt die Zerstückelung der natürlichen Schlafstruktur. Der für die körperliche Erholung wichtige Tiefschlaf fehlt bzw. ist stark reduziert. Ebenso fehlt der für die geistige Erholung wichtige REM -Schlaf. Auch die Rezeptoren, die das Herz-Kreislaufsystem steuern, können sich nicht erholen. Neuere Untersuchungen haben ergeben: Bereits starkes Schnarchen macht Herz und Kreislauf krank! Symptome und Warnzeichen: - Der Bettnachbar beobachtet das laute unregelmäßige Schnarchen, die Atempausen und den unruhigen Schlaf. Morgendliche Abgeschlagenheit, Kopfdruck ("Döskopp "), Kopfschmerz, Alpträume, trockener Mund beim Aufwachen.
- Langfristig Nachlassen geistiger Fähigkeiten, Konzentrationsprobleme.
- Persönlichkeitsveränderungen, wenig Ausdauer, Schwitzen schon bei geringen Anstrengungen, verminderte Leistungsfähigkeit (körperlich und geistig), Nervosität, Gereiztheit, Depressionen.
- Vermehrtes nächtliches Wasserlassen, nächtliches Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen.
- Einschlafneigung am Tag bei monotonen Tätigkeiten (beim Autofahren Sekundenschlaf), Übergewicht.
| Bei Kindern treten meist noch etwas anders geartete Symptome auf. Kinder können sogar zu Hyperaktivität neigen. Folgen können sein: - Bluthochdruckerkrankung
- Herzrhythmusstörungen
- koronare Herzerkrankungen
- Herzinfarkt
- Herzschwäche
- plötzlicher Herztod (insbesondere nach Alkoholgenuss)
- Schlaganfall
- Hirninfarkt
- Stoffwechselstörungen
- Depressionen und Angst (Platzangst)
- häufige Arbeitsunfähigkeit
- Unfälle.
| Die Schlafapnoe hat direkt oder wegen ihrer Folgeerkrankung eine verringerte Lebenserwartung zur Folge. Wissenschaftler sagen: Schlafapnoe wird um so bedrohlicher, je mehr Atemstillstände auftreten und je länger sie anhalten. Langzeitstudien belegen: Bei unbehandelter Schlafapnoe und mehr als 20 Atemstillständen pro Stunde leben nach neun Jahren noch 63 Prozent der Betroffenen. Nach Überschreitung des 50. Lebensjahres sinkt unter gleichen Voraussetzungen die Überlebensrate nach neun Jahren auf nahezu 50 Prozent. Wie wird die Schlafapnoe diagnostiziert? Bei hinreichendem Verdacht wird eine ambulante Diagnose mittels eines kleinen Rekorders (ähnlich dem Langzeit-EKG ) vorgenommen. Dabei werden während der Nacht zuhause im eigenen Bett wichtige Daten aufgezeichnet und am nächsten Tag über einen Computer in der Arztpraxis beziehungsweise im Schlaflabor ausgewertet. Wenn erforderlich, wird eine eingehende Diagnostik im Schlaflabor durchgeführt und anschließend mit dem Patienten die notwendige Therapie besprochen. Welche Therapien gibt es? 1. Bei leichtem Befund genügt es oft, ein paar Kilogramm abzunehmen, auf Alkohol, Nikotin sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel zu verzichten. Auch das Medikament Theopyllin oder eine Gebissschiene können helfen. 2. Bei einem schwerem Befund wird mit der nCPAP -Therapie behandelt. Hierbei wird über eine Nasenmaske und Schlauch dem Rachenraum ein leichter Überdruck zugeführt. Die erforderliche Druckhöhe wurde im Schlaflabor ermittelt. Erzeugt wird der Druck von einem mikroprozessorgesteuerten Gerät. Es gibt den im Schlaflabor eingestellten Wert konstant an die Maske ab. Der Druck wirkt wie eine Schiene für die Muskulatur im Rachenraum und hält diesen offen. Der Schläfer kann wieder frei atmen und sich im Schlaf erholen. Bereits eingetretene leichtere Folgen und Symptome bilden sich wieder zurück. Weitere Behandlungsmethoden wie etwa ein Schrittmacher befinden sich in der Entwicklung beziehungsweise Erprobung. Jeder Patient mit Herzinfarkt (35 Prozent der Schlafapnoepatienten haben koronare Herzerkrankungen), jeder Patient mit Bluthochdruck (bei Patienten mit medikamentös schlecht einstellbarem Blutdruck liegt meistens eine Schlafapnoe vor) und jeder Patient mit Schlaganfall (jeder 4. Patient mit Schlaganfall leidet unter Schlafapnoe) muss auf schlafbezogene Atemstörungen untersucht werden. Dies muss zumindest durch Befragung bzw. Fragebogenanamnese geschehen. Wird ein Patient mit nächtlichen Herzrhythmusstörungen nicht auf Schlafbezogene Atemstörungen (SBAS ) untersucht, liegt nach heutigem Wissensstand ein Kunstfehler vor. Noch eine Warnung: Wenn Ihnen jemand rät, eine wie auch immer geartete Operation im Rachen gegen ihr Schnarchen vornehmen zu lassen, sprechen sie zuerst mit einem erfahrenen Schlafmediziner darüber. Derartige Korrekturen können schlimme Folgen haben, sollte später eine nCPAP -Therapie nötig werden. Außerdem ist bekannt, dass der Erfolg solcher Operationen, wenn überhaupt, nur von kurzer Dauer ist.
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